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Vertrauen In Der Partnerschaft – Nichts Für Feiglinge

Vertrauen in der Partnerschaft – Nichts für Feiglinge

Vertrauen – ein großes Wort. Alle reden davon. Viele glauben sogar, dass sie einander vertrauen. Ein genauer Blick hinter die Kulissen verrät uns jedoch ganz andere Wahrheiten.

Vertrauen bedeutet lassen zu können. Die Freiheit zu genießen, bei Unverhofftem nicht gleich am Boden zerstört zu sein. Die Welt des Partners, der Kinder oder anderer zu akzeptieren – auch wenn diese Entscheidungen nicht unsere sind.

Warum fällt es manchen Menschen dennoch so schwer, ihrem Partner gänzlich zu vertrauen? Und warum geraten wir manchmal an die „Falschen“?

Das sagt Wikipedia über Vertrauen

Jeder von uns definiert seine Vorstellung von Vertrauen anders. Es ist ein subjektives Gefühl oder Glaube an die Richtigkeit, Wahrheit von Personen, Handlungen, Einsichten und Aussagen eines anderen oder von sich selbst (Selbstvertrauen), sagt Wikipedia.

Und genau darin liegt die Herausforderung. Ob und wieweit wir vertrauen können, hängt also immer von den persönlichen Erfahrungen ab. Dabei unterscheiden wir zwischen dem Vertrauen in uns selbst (Selbstvertrauen), dem Vertrauen in andere Menschen und dem Vertrauen ins Leben an sich (Urvertrauen).

Zeitreise: Wie alles beginnt

Bereits im Mutterleib, als wir mit ausreichend Nahrung versorgt und warm gehalten wurden, entstand unser sogenanntes Urvertrauen. Die Message: Es wird für uns gesorgt. Alles ist da, wir müssen uns nur bedienen.

Gesund und munter auf dieser Welt angekommen, sind es zunächst unsere Eltern, die uns durch Fürsorge Halt und Stabilität geben. So entsteht unser erstes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Unser Selbstvertrauen. Und wir beginnen zu vertrauen. An unseren Eltern orientieren wir uns.

Gerüstet mit diesen Erfahrungen, machen wir im Laufe unseres Lebens positive und negative Erfahrungen. Jeden Tag vertrauen wir ganz unterschiedlichen Menschen – der Erzieherin, dem Lehrer, dem Chef, Freunde und Bekannte oder auch dem Friseur, dem Arzt oder dem Bankberater.

Von diesen Erfahrungen hängt es also ab, wie wir mit dem Thema „Vertrauen“ in unserem Leben umgehen. Sie prägen uns. In Sekundenschnelle entscheidet unser Unterbewusstsein, ob wir einer Situation oder einem Menschen vertrauen.

Nichts für Feiglinge

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Vertrauen das Fundament einer erfüllten Beziehung ist. Zuerst schutzlos wie eine zarte Pflanze, benötigt es viel Pflege und Aufmerksamkeit um nach vielen Jahren starke Wurzeln zu bilden. Mit viel Geduld, Ehrlichkeit und Akzeptanz kann es klappen.

Leider ist die Realität eine andere. Die meisten Beziehungen sind von Stress geprägt. Warum? Weil sie nicht tatsächlich in ihr Vertrauen kommen können. Machen wir uns nichts vor: Eine vertrauensvolle Partnerschaft ist absolut nichts für Feiglinge. Sie erfordert viel Mut.

Das beginnt vor allem bei der Ehrlichkeit. In unseren Kindertagen haben wir gelernt: Wer ehrlich ist, wird bestraft, wer die beste Ausrede hat, kommt weiter. Das zieht sich durch das Leben wie Kaugummi. Für die eigene Partnerschaft jedoch ist ein solches Verhalten pures Gift.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer jetzt den Mut besitzt, seine Gefühle ehrlich zu äußern, wird mit Vertrauen belohnt.

Geben Sie Ihrem Partner einen Vorschuss!

„Der beste Weg herauszufinden ob du jemand vertrauen kannst, ist ihm zu vertrauen.“ Dieses Zitat von Ernest Hemingway bringt es auf den Punkt. Denn Vertrauen bedeutet, dem anderen einen Vorschuss zu geben. Damit signalisieren wir, „Ich traue Dir zu, das Richtige zu tun oder eine Situation zu meistern.“

Mit diesem Vorschuss akzeptieren wir unseren Partner so, wie er ist. Wir akzeptieren sein Handeln, seine Ansichten, ihn als Mensch. Wie nehmen ihn so wie er ist. Nicht wie wir ihn gerne haben wollen. Wie ist das bei Ihnen? Fällt es Ihnen leicht oder eher schwer. Oder gehören Sie zu denjenigen, die nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ leben?

Leider erlebe ich immer wieder, dass Paare sich gegenseitig ausspionieren. Anstatt bei aufkommendem Misstrauen ehrlich zu fragen, was los ist, wird spioniert. Da werden Handys heimlich gecheckt, Hosentaschen durchwühlt oder Handtasche gefilzt. Immer auf der Suche nach dem kompromittierenden Beweis, der alles aufdeckt. Wichtige Gründe und Ausreden dafür gibt’s natürlich immer.

Woran liegt es, dass ich meinem Partner misstraue? Ist es meine eigene Verlustangst oder Hilflosigkeit, die zur Grenzüberschreitung des Anderen führt? Wer jetzt kein Feigling sein will und wem seine Beziehung wichtig ist, überlegt ernsthaft, wie er seinem Verhalten auf den Grund gehen kann.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Zusammen mit einer Freundin schlenderte ich vor einiger Zeit durch Frankfurt auf dem Weg zurück zum Auto. Es parkte in einer Seitenstraße. Sie fragte mich, ob ich den Fußweg dorthin kenne. Ich antwortete „Ja“. Bereits nach wenigen Metern begann sie, ihr Handy herauszuholen und ihr Navi einzuschalten. Sie konnte mir einfach nicht vertrauen.

Kennen Sie auch solche Menschen? Manchmal nerven sie mich. Heute weiß ich aber, dass es eine falsch antrainierte Verhaltensweise aus der Kindheit ist, die diese Menschen in die Kontrolle treiben. Sie sind oft selbst unglücklich darüber.

Für „frische“ Beziehungen bedeutet das oft ein frühzeitiges Aus. Langjährige Partnerschaften haben es manchmal schon gelernt, damit umzugehen. Hier sind bereits erste feste Wurzeln entstanden.

Wie und wo fange ich an?

Ganz einfach: Wir starten bei uns selbst. Denn Vertrauen heißt sich selbst zu „trauen“. Mit ihm gelingt es, Situationen und Entscheidungen abzuwägen und Menschen einzuschätzen. Steht unser Bauchgefühl mit unserem Verstand im Gleichgewicht, kann eine vertrauensvolle Partnerschaft entstehen.

Vertrauen ist wunderbar. Es bringt Gelassenheit und Zufriedenheit. Eine wohltuende Erkenntnis außerdem ist, dass wir endlich nicht mehr für alles und jeden verantwortlich sein müssen. Auch andere Menschen sind fähig. Warum lassen wir also ihre Kreativität durch Vertrauen nicht zum Vorschein kommen?

Bitte denken Sie daran: Eine langjährige Partnerschaft bedeutet nicht, dass mein Partner mir gehört. Trotz eines gemeinsamen Lebensweges bleibt jeder Mensch ein Individuum mit Grenzen. Diese Grenze achtsam zu akzeptieren, ist für mich ein Zeichen der Gelassenheit und stellt einen Vertrauensbeweis dar.

Was bedeutet für Sie das Wort Vertrauen? Welche Rolle spielt es in Ihrem Leben? Ist Vertrauen für Sie eher ein ungeliebtes Monster oder ein Segen für alles, was Sie tun?

Schreiben Sie mir. Ich freue mich auf Ihre Erlebnisse und beantworte gerne Ihre Fragen in einem persönlichen Email.

Glückliche Grüße

Ihre Birgit Natale-Weber

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Das Vertrauen in einer gestörten Beziehung neu aufzubauen geht nicht so leicht, wie sich das manch einer vorstellt. Vorausgegangen sind meist schwerwiegende Vertrauensbrüche, und die wieder aus der Welt zu schaffen ist nicht so einfach.
    Beispiele für das zerstörerische Verhalten in Beziehungen ist das Fremdgehen oder das Verheimlichen von Schulden. Diese Dinge empfindet der betrogene Partner als sehr schmerzlich. Betroffen sind ja meist sehr sensible Bereiche im Miteinander von zwei Menschen. In meinem Umfeld gibt es dennoch Paare, die trotz jahrelangen und dramatischen Fehlschritten durch einen der beiden Partner einen Neuanfang wagen wollen. Sie trauen sich, diesen Schritt zu gehen. Und das bedeutet, viel Mut dazu aufzubringen.
    Sich und dem anderen eine zweite und neue Chance zu geben bedeutet, wieder von vorne anzufangen. Dafür muss man aber das Alte hinter sich lassen. Neues Vertrauen entsteht nur, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Die alten Fehler sollen sich schließlich nicht wiederholen. Man will nicht dasselbe nochmals erleben. Das wäre eine komplette Niederlage für beide.
    Aber so leicht lässt es sich nicht vergeben und vergessen. Viele Gespräche und die Vermittlung der eigenen Erlebnisse und Verletzungen, Verständnis für entstandene Emotionen, machen es erst möglich, das Geschehene zu verarbeiten. Oft kann ein Therapeut helfen, die richtigen Worte und Formulierungen zu finden, die beiden im Gespräch sich wieder näher zu bringen.
    Beide Partner können danach langsam wieder beginnen, sich vertrauensvoll zu begegnen. Die Sensibilität gegenüber möglichen neuerlichen Fehltritten bleibt oft noch einige Zeit bestehen. Es ist aber wichtig, dem anderen nicht ständig wieder neues Misstrauen bei allen möglichen Anlässen entgegenzubringen. Das erfordert eine gewisse Disziplin. Denn es kommen mit Sicherheit immer wieder mal wieder die alten Emotionen hoch, die dann wieder zu Vorwürfen etc. verleiten.
    Neues Vertrauen in einer Partnerschaft kann nur entstehen, wenn die Vorbehalte gegenüber dem anderen keine Rolle mehr spielen. Das ist eine wichtige Basis für einen neuen harmonischen und liebevollen Umgang miteinander. Ist das gelungen, steht der zweiten Chance in einer Beziehung kaum noch etwas im Wege.

    1. Liebe Frau Spranger,
      Ihre Sichtweise kann ich bestätigen. Ich habe einige Paare begleiten dürfen, die – wie in Ihrem Beispiel – mit den Themen Fremdgehen und das Verheimlichen von Schulden zu mir ins Coaching kamen.
      Erst wenn die Betroffenen den Mut finden, sich das „Alte“ (verbunden mit den Fragen: Warum macht er/sie das und was hat das mit mir zu tun?) anzuschauen, werden sie besser verstehen und ihre schmerzlichen Erfahrungen verarbeiten können.
      Herzliche Grüße
      Birgit Natale-Weber

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